Führung in Krisenzeiten

Die aktuelle Situation in unserem Land stellt viele Führungskräfte und UnternehmerInnen vor eine echte Bewährungsprobe. Die COVID19-Krise hat sich unerwartet rasch und unerwartet tiefgreifend eingestellt. Und sie trifft uns hart an der Basis unserer Maslowschen Bedürfnispyramide: Gesundheit und Sicherheit. Wie soll(t)en Führungskräfte darauf reagieren?

Die aktuelle COVID19-Situation zeigt sich weitreichend. Ich möchte hier aber nicht über die ökonomischen, medizinischen oder geopolitischen Folgen sprechen, ich möchte über die „Führungsherausforderung“ sprechen, die diese Situation für alle Führungskräfte des Landes bereithält. Und soviel gleich vorweg: Aus meiner Sicht braucht es in Krisenzeiten sowohl den „Mensch“ als auch den/die „ManagerIn“ in allen Führungskräften.

Das Sein

Wie müss(t)en Führungskräfte in einer Krisensituation sein:

  • Ruhig:
    Emotionen beeinflussen unser eigenes Tun. Unter negativem Stress und negativ emotional betroffen trifft man selten gute Entscheidungen. Führungskräfte müssen daher in einem ersten Schritt die eigenen Emotionen im Griff haben und diese kanalisieren können.
  • Zuversichtlich:
    Führungskräfte sollen idealerweise Zuversicht zeigen – Zuversicht in die Bewältigung der Krisensituation generell aber v.a. auch Zuversicht in die eigenen Kompetenzen und in die eigene Handlungsfähigkeit. Gerade unter unsicheren Rahmenbedingungen geht es darum das Vertrauen in die eigene Kompetenz und die eigenen „Instinkte“ nicht zu verlieren.
  • Mutig:
    Krisen erfordern schnelles und konsequentes Handeln. Und das ohne 100% Erfolgsgarantie. Führungskräfte müssen selbstsicher im hier & jetzt die bestmögliche Entscheidung treffen.
  • Menschlich verständnisvoll:
    Gerade in Krisenzeiten gilt es Interesse am „Menschen“, nicht nur an der „Arbeitskraft“ seitens der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu zeigen. Inklusive aller Unsicherheiten und persönlicher Betroffenheiten – von Home-Schooling bis Gesundheitsängsten.
  • Resilient:
    Damit meine ich Führungskräfte müssen die eigene Widerstandskraft in punkto Stress und Gesundheitsrisiken stärken und positive Energie in das eigene Unternehmen tragen.

Das Tun

Wie müss(t)en Führungskräfte handeln:

  • Klarheit suchen – Klarheit vermitteln:
    Eine Krise ist eine Zeit der Wahrheit in die Augen zu schauen. Es geht nicht darum zu hoffen, es geht darum bestmöglich Fakten für die eigenen Entscheidungen zu suchen und Szenarien zu nutzen.
  • Kommunizieren, kommunizieren, kommunizieren:
    Gerade in schwierigen Zeiten gilt es umso stärker zu kommunizieren. Denn Gerüchte und Fehlinformationen sind das einzige, was manchmal mit Überlichtgeschwindigkeit zu reisen scheint. Nutzen Sie bewusst jede Kommunikationssituation die Sie finden können.
  • Einen „Nordstern“ bieten / vermitteln:
    Krisenzeiten brauchen Klarheit über das „warum“ und/oder das „wohin“. Vermitteln Sie die Zielrichtung und den sinn-stiftenden Nutzen.
  • Keep it simple!
    Vermitteln Sie in Krisenzeiten klare operative Ziele, nächste Schritte und Prioritäten. Lassen Sie Unnötiges weg und erhöhen Sie in jedem Element die Klarheit über den Beitrag Ihrer einzelnen Teammitglieder.
  • Entschlossen & konsequent handeln:
    In Krisenzeiten gilt es aktiv zu bleiben und nicht zögerlich zu werden. Aufbauend auf Ihren Szenarien gilt es bestmöglich zu navigieren, zu entscheiden und dies – bis ggf. zum Vorliegen neuer Fakten – umzusetzen. Nicht zu handeln, ist meist die unklügste Handlung von allen.

Haltung in Krisenzeiten

Dahinter liegt für mich kein Kochrezept der Führung, sondern eine Haltung in schwierigen Zeiten. Und diese Haltung lässt sich kurz noch zuspitzen:

  1. Wie schon Peter Drucker sagte: „Leadership is a foul-weather job“ – „Führung ist ein Schlechtwetter-Job“.
    Sehen Sie es von Ihrer inneren Haltung her als Lernfeld und Bewährungsprobe. „Krise“ ist per se auch nur ein Wort für ungünstige Rahmenbedingungen, die gegen unsere ursprünglichen Erwartungen, Ziele und Pläne stehen.
  2. Wie Winston Churchill sagte „Never miss a good crisis“ – „Verpasse niemals die gute Gelegenheit in einer Krise“.
    Eine Krise gibt die Möglichkeit Dinge zu gestalten, die ggf. sonst denk-unmöglich gewesen wären. Es geht nicht nur darum eine Krise zu überleben oder auszusitzen, es geht darum zu lernen und ggf. sich neu zu erfinden.
  3. WIE wir als Führungskräfte heute agieren, wird die Kultur unserer Unternehmen noch lange prägen und wird X-fach stärker wirken, als die beste Employer Branding Kampagne der Welt.

Corona ist auch das, was wir daraus machen! 😉

In diesem Sinne: Corona ist auch das, was wir daraus machen. Was wir damit meinen? Für uns von vieconsult hat das bspw. bedeutet eine groß angelegte Firmenfeier zum Anlass unseres 10 jährigen Firmenjubiläums abzusagen und eine virtuelle Geburtstagsparty zu veranstalten. Und es war toll!

vieconsult: Unsere virtuelle 10-Jahresfeier

 

Hinweis: Ein großes Dankeschön an Sindy Amadei von https://www.uberall-scene.com/. Auf ihre Einladung hin hat Gerd Beidernikl am 30. März 2020 ein Webinar für +100 Führungskräfte zum Thema „Führung in Krisenzeiten“ gehalten. Dieser Blogbeitrag ist der Kern dieses Webinars. Die Aufzeichnungen der Webinare gibt es hier zur „Nachlese“: https://www.hrsummit.at/webinare/.

Photo by Esteban Lopez on Unsplash