Feedforward: Mehr als ein Feedback-Trend

Feedback ist ein essentielles Tool, um Lern- und Entwicklungsfelder aufzudecken. Dabei arbeitet Feedback stets rückwärtsgewandt. Aber was ist eigentlich Feedforward und wie kann Feeforward die Personalentwicklung bereichern?

Feedback im Allgemeinen

Feedback dient dazu, Lern- und Veränderungsprozesse anzustoßen, und zeichnet sich dadurch aus, dass es rückwärts gerichtet ist. Als Rückkoppelungsschleife soll das Feedback dem Empfänger helfen, die Konsequenzen seines Handelns im nachhinein von außen zu betrachten.

  • Was wollte ich tun?
  • Was habe ich getan?
  • Wie wirkt mein Verhalten auf andere bzw. auf mein Team?
  • Was bewirkt mein Verhalten für andere?
  • Was lerne ich daraus für mein zukünftiges Verhalten?

Feedback: Fehler und Nachteile

  1. Feedback kommt quasi „immer zu spät“: Als Rückkoppelungsmechanismus ist Feedback auf vergangenes Handeln ausgerichtet. Man spricht über die Lorbeeren, die schon zu verteilen waren, denn zeitnahes Feedback zählt eher zu den Ausnahmefällen.
  2. Feedback baut auf folgender Grundannahme auf: Die Rückmeldung über das eigene Handeln und seine Wirkung hilft dem Feedback-Empfänger, zukünftig in relevanten Bereichen besser zu handeln. Damit wird von einer rein sachlich-analytischen Perspektive ausgegangen. Von Seiten des Feedback-Empfängers kann dies jedoch auf persönlicher Ebene verarbeitet und daher zu rückwärtsgewandten Erklärungen, Rechtfertigungen und Ablehnung führen.
  3. Die Erwartungshaltung in Unternehmen ist häufig, dass man von seinem Vorgesetzten Feedback erwartet. Man fragt nicht aktiv nach Feedback, man bekommt es. Aus Sicht vieler Mitarbeitenden wird Feedback als einseitig gerichtet und etwas Passives wahrgenommen, womit oft eine „Konsumentenhaltung“ der Mitarbeitenden gefördert wird: „Wie soll ich mich verbessern und etwas lernen können, wenn mein Chef mir nie Feedback gibt?!“

Was ist Feedforward?

Der US-amerikanische Bestsellerautor und Coaching-Experte im Management-Bereich Marshall Goldsmith hat in seinem Artikel „Try Feedforward Instead of Feedback“ als Wortspiel den Begriff „Feedforward“ geprägt.

Die Grundannahme von Feedforward

Wenn Feedback als Rückkopplungsschleife definiert ist, die Rückmeldungen zu vergangenem Handeln gibt, bedeutet Feedforward „Vorkopplung“. Es geht über die Rückmeldung hinaus und zeigt konkrete Veränderungsmöglichkeiten für die Zukunft.

Die zentrale Frage ist daher „Wie genau kann ich mein Verhalten ändern, um eine Aufgabe, besser, schneller, leichter, einfacher zu erledigen?“ 

Feedforward verändert die Haltung

Es wird nicht bei vergangenen Fehlern hängen geblieben, sondern eine positive Zukunftsvision aufgebaut. Feedforward schaut in den Zukunftsspiegel und fokussiert sich auf Faktoren, die künftig wirkungsvoll sein können. Diese in die Zukunft gewandte Lösungsorientierung hat laut Goldsmith einen positiven Effekt auf die Leistung des Feedback-Empfängers und verändert die Einstellung und Haltung gegenüber Feedback auf beiden Seiten:

  1. Beim Empfänger von Feedforward:
    Proaktivität. Eine Vorgehensweise, mit der die eigenen Entwicklungsziele aktiv formuliert und in die Hand genommen werden. Um sich weiterzuentwickeln braucht man klare Ziele. Und genau das gilt ebenso für gelungenes Feedforward:
    Statt zu fragen „Wie erlebst du mich als Führungskraft? Wie nimmst du meine Führung wahr?“, würde man im Sinne von Feedforward aktiv nachfragen: „Ich möchte mir mehr Freiraum und Zeit für Führungsarbeit schaffen. Wie kann ich in 8 Wochen meine häufigsten operativen Aufgaben an Mitarbeitende delegieren?“.
  2. Beim Geber von Feedforward:
    Lösungsorientierung. Eine Haltung, die sich in die Rolle und jeweilige Situation des Feedforward-Empfängers hineinversetzt. Es werden Fragen gestellt und Antworten gesucht zu Verhaltens- und Handlungsaspekten, die sich auf das fokussieren, was wir noch ändern können: die Zukunft.
    Daher sollte beim Geben von Feedforward der Fokus nicht auf „Was war im heutigen Meeting mit unserem Kunden gut und was war schlecht?“ liegen, sondern auf „Wie können wir das nächste Meeting nutzen, um den Kunden so richtig von uns zu überzeugen? Und wie kann ich dich auf dem Weg unterstützen?“.

Theorie oder Wortspiel? Entscheiden Sie selbst!

Handelt es sich bei Feedforward um ein Wortspiel oder ein fundiertes Konzept? Im Grunde ein bisschen von beidem. Verschaffen Sie sich gerne selbst einen Eindruck, indem Sie sich in den Artikel von Marshall Goldsmith reinlesen.

Aus meiner Sicht soll es eine Erinnerung sein, dass selbst die beste und wertschätzende Diskussion über vergangenes Handeln für viele Menschen noch nicht den entscheidenden Impuls zur zukünftigen Veränderung dieses Verhaltens oder der Kommunikation liefert. Es ist ein Ermahnen, eine aktive Haltung zur eigenen Entwicklung einzunehmen und dabei zu bleiben.

Es ist ebenso ein Weckruf, dass Feedforward eine Daueraufgabe ist, die als Instrument der Personalentwicklung implementiert werden sollte – und die nicht in das Konzept von jährlichen Mitarbeitergesprächen passt.

Zuletzt bietet Feedforward die Chance, einen Paradigmenwechsel einzuleiten: Statt zu antworten auf Fragen à „Wie hast du mich bei der heutigen Präsentation erlebt?“, die Gegenfrage zu stellen: „Wie möchtest du denn in Präsentationen auftreten und wirken? Dann kann ich dir gerne Feedforward geben, wie ich denke, dass du dort hinkommen könntest.“

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